
Bornholmer Knäck-Brød
3. Januar 2021Aufbruch mit Action
28. Mai 2026Kennst du das? Du möchtest zum Friseur und der ist nicht erreichbar?? Was nun? Oder hast du vielleicht wie ich seit Jahrzehnten den gleichen Friseur/ die gleiche Friseurin und lässt niemand anderes an deinen feinen Kopf?
So ging es mir. Jahrzehnte bei der gleichen Frisörin. Wir waren inzwischen fast Freundinnen, sie kennt fast die ganze Familie und das Drumherum und sie schneidet perfekt! Und dann sagte sie einmal, nachdem sie fertig mit meinem Kopf war: „Ahh. Das bist wieder ganz Du!“ und das war total nett gemeint und sie war ganz fröhlich dabei! Tatsächlich hatte sie mir über die Jahre immer ähnliche Haarschnitte verpasst, halt so, wie sie schneidet und wie wir beide meinten, dass es zu mir passt.
Aber dieses „Das bist wieder ganz Du!“ löste plötzlich Widerstand in mir aus.
Woher soll sie das wissen?
Das kann doch nur ich beurteilen!
Und damit ging es los. Ich probierte mal wieder andere Frisuren aus. Ging auch mal zu anderen FrisörInnen – hinterher durfte SIE dann wieder retten, was falsch gelaufen war. Einmal nannte sie meine neue Frisur „Lampenschirm“ haha – stimmt!
Dann aber fand ich zu neuen „Schnittmustern“ bei anderen Frisören – die dann aber danach als Person nicht mehr da waren, oder nur kurz als „Ersatz“ gearbeitet hatten. Die letzte „Aushilfefrisörin“ war eigentlich selbst Frisörladenleiterin in einem Shop, 150 km entfernt. Ihr nachreisen???
Dann sind wir nun unterwegs in Frankreich. Mich beschäftigt, ob ich mir nach Jahrzehnten Henna einen grauen Kopf wünsche.

Noch ahnungslos.
Als wir dann in Méze waren und ich in einer tollen Boutique von einer noch tolleren Französin in Sachen Mode gebildet wurde (und mit drei neuen Kleidern und einer modischen Shorts ausgestattet wurde) wagte ich es sie zu fragen: Und was würdest du mir raten?
„Grau oder Henna?“
Sie schaute mich an.
Dann kam ihr Urteil:
Lange Haare? Weiterfärben.
Graue Haare?
Dann kurzer, frecher Schnitt.
Jung. Energetisch. Französisch.
Coole Antwort. Sie zeigte mir dann noch Fotos mit Beispielköpfen, die mir auch gleich gefielen.
Ein paar Tage und hunderte von Kilometern weiter, war ich so weit. Ich suchte nach einem Frisörsalon, in der Hoffnung ich finde einen, wo man englisch oder gar deutsch spricht. Fehlanzeige.
Letztendlich entdeckte Gerhard einen ansprechenden Salon. Eine englischsprachige Kundin übersetzte mein Anliegen humorvoll und ich bekam einen Termin für den gleichen Tag!
Um 16:30 Uhr war es so weit! Und keiner da, der mit mir deutsch oder englisch spricht!
16:30 Uhr. Kein Rückweg mehr.
Eine kurze Bestandsaufnahme mit der Frisörin: sie zeigte mit einer Kung-Fu Bewegung an, dass hinten alles gerade sein soll, Fragezeichen? Ich konnte nur nicken.. Ich war sowieso ratlos. Ich zeigte ihr ein paar Fotos, und ab ging’s.
Erstmal ans Waschbecken. Mit geübten und nicht gerade zartfühlenden Bewegungen wurde mir der Schopf gewaschen. Ich wasche seit Monaten nur mit Olivenseife mein Haar. Ob sie das komisch fand? Hatte ich etwa dreckige Ränder? Sie schrubbte jedenfalls sehr kräftig hinter meinen Ohren und ich konnte sie nicht fragen…
Dann ging auf einmal die Massagefunktion meines Stuhls an – oho! Gleichzeitig kam der 2. Waschgang, jetzt mit einer cremigen Emulsion und sanften Händen. Handtuch drüber und ab zum Frisörstuhl.
Schweigen.
Ab und zu eine Frage – die ich nicht verstand und nicht beantworten konnte.. na denn mal los.
Im Sauseschritt rasten ihre flinken Hände mit der Schere um meinen Kopf und nicht gerade wenig an Länge fiel der Schere zum Opfer. Zack hier, zack da, time is money – hatten wir doch nur eine halbe Stunde damals mit der Übersetzerin abgemacht!
Dann ausdünnen. Erst in Fransen, dann mit einer Schere, die mir neu war 5 cm lange Strähnen rauskämmen… Früher hätte ich gesagt : „bitte nicht so doll ausdünnen. Ich liebe mein dickes Haar!“ Jetzt konnte ich nur staunend zusehen – und lächeln. Immer schön lächeln. Sie war eher ernst bei der Sache.
Der Schopf wurde immer kürzer. Hinten der Kung-Fu-Schnitt. Die Ohren wurden langsam frei. Dann ein prüfender Blick – alles gut? Ich nickte, zeigte auf eine mir zu lange Strähne am Ohr – und schon ging es wieder los. Da wurde nachgeschnitten und nicht zu knapp!
Bei der nächtsten Nachfrage habe ich dann nur schnell genickt! Nicht noch mehr ab!
Föhn, Gel (sie zeigte mir Schaum oder Gel, hier konnte ich, ganz Fachfrau, wählen!).
Und: adrett! Gut gemacht. Was Gerhard wohl sagt? Der Unterschied ist immens.
Aber egal. Ich fühle mich jetzt schon richtig französisch – aber mutig war´s doch, oder?
Eine Bekannte kommentierte später:
„Mein Spruch! Es bleibt immer ein Restrisiko!“
Hahaha.
Aber weißt du was?
Es war cool.
Würdest du das wagen?
Und Gerhard?
Der mochte die neue Französin auf meinem Kopf tatsächlich.

Bonjour Mut.
Diese Geschichte gibt es übrigens auch als Podcast. Findest du hier !

